Zu Ehren von Anne Frank

Zu Ehren von Anne Frank
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Zu Ehren von Anne Frank – Dieser Beitrag beinhaltet Schilderungen des Holocausts, welche für einige Leser:innen ein sensibles Thema darstellen können.

Das heutige Diashow-Doodle ehrt die weltweit bekannte jüdische deutsch-niederländische Tagebuch-Autorin und Opfer des Holocausts Anne Frank. Obwohl Anne ihr Tagebuch erst im Alter von 13 bis 15 Jahren schrieb, sind ihre persönlichen Schilderungen des Holocaust und der Kriegsereignisse bis heute eine der ergreifendsten und meistgelesenen Dokumentationen. Das heutige Doodle zeigt originale Auszüge aus ihrem Tagebuch, in dem sie beschreibt, was sie und ihre Freunde und Familie während ihres zweijährigen Aufenthaltes im Versteck erlebten. Heute ist der 75. Jahrestag der Erstveröffentlichung ihres Tagebuchs, das weithin als eines der wichtigsten Bücher der modernen Geschichte gilt. 

Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren, doch schon 1933 zog sie mit ihrer Familie nach Amsterdam. Annes Familie flüchtete vor der wachsenden nationalsozialistischen Partei und ihrer Diskriminierung und Gewalt gegenüber Millionen von Minderheiten. Als Anne 10 Jahre alt war, brach der Zweite Weltkrieg aus, woraufhin kurze Zeit später Deutschland in die Niederlande einmarschierte und so den Krieg vor die Haustür Annes Familie brachte. Die Nationalsozialsozialisten begannen nun auch in den Niederlanden die Verfolgung von Juden und ließen diese hinrichten oder in Konzentrationslager verschleppen. Da sie nicht mehr frei und sicher leben konnten, waren Millionen von Juden gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen oder unterzutauchen. Im Frühjahr 1942 versuchte auch Annes Familie der Verfolgung zu entkommen und versteckte sich in einem geheimen Anbau im Bürogebäude ihres Vaters.

Die Familie Frank war wie Millionen andere gezwungen, schnell zu handeln und fast ihr gesamtes Hab und Gut zurückzulassen, um Schutz zu suchen. Zu Annes wenigen verbliebenen Besitztümern gehörte ein kleines Geschenk, das sie nur wenige Wochen zuvor zu ihrem dreizehnten Geburtstag erhalten hatte: ein kariertes Notizbuch mit festem Einband. Es wurde bald zu ihrem persönlichen Werkzeug, um die Welt für immer zu verändern. In den folgenden 25 Monaten füllte sie die Seiten mit aufrichtigen Schilderungen über ihr Leben als Teenagerin im „geheimen Anbau“, von kleinen Details bis hin zu ihren tiefsten Träumen und Ängsten. In der Hoffnung, dass ihre Tagebucheinträge nach dem Krieg veröffentlicht werden könnten, fasste Anne ihre Berichte zu einer zusammenhängenden Geschichte mit dem Titel „Het Achterhuis“ („Das geheime Nebenhaus“) zusammen. 

Am 4. August 1944 wurde die Familie Frank vom nationalsozialistischen Geheimdienst entdeckt, verhaftet und in ein Internierungslager gebracht, wo sie Zwangsarbeit verrichten musste. Anschließend wurden sie in das Konzentrationslager Auschwitz in Polen deportiert, wo sie unter äußerst schwierigen Bedingungen und auf engstem Raum lebten. Einige Monate später wurden Anne und Margot Frank in das Konzentrationslager Bergen-Belsen in Deutschland transportiert. Neben der brutalen Hinrichtung von Gefangenen durch die Nationalsozialisten breiteten sich in den Lagern tödliche Krankheiten rasch aus. Schließlich erlagen Anne und Margot den unmenschlichen Bedingungen, unter denen sie zu leben gezwungen waren. Anne Frank war gerade einmal 15 Jahre alt.

Obwohl Anne Frank die Schrecken des Holocaust nicht überlebte, ist ihr Bericht über diese Jahre, welcher weltweit als „Das Tagebuch der Anne Frank“ bekannt ist, zu einem der meistgelesenen Sachbücher geworden, die je veröffentlicht wurden. In mehr als 80 Sprachen übersetzt sind Annes historischen Dokumentationen heute ein fester Bestandteil in den Klassenzimmern, um Generationen von Kindern über den Holocaust und die schrecklichen Gefahren von Diskriminierung und Gewalt aufzuklären. 

Vielen Dank, Anne, dass Du uns diesen mitreißenden Einblick in Deine Erfahrungen und unsere gemeinsame Vergangenheit, aber auch die unerschütterliche Hoffnung für unsere Zukunft gegeben hast. 

 

Auf dem Bild: Anne Frank

Mit Genehmigung des Anne Frank Fonds

Auf dem Bild: Anne Frank

Mit Genehmigung des Anne Frank Fonds

Besonderer Dank gilt dem Anne Frank Fonds Basel für die Zusammenarbeit an diesem Projekt. Im Folgenden teilen die Stiftungsvertreterinnen Yves Kugelmann und Barbara Eldridge ihre Gedanken zu Anne Franks Vermächtnis und diesem Doodle mit.

Die Geschichten der Opfer von Diskriminierung und Gewalt bleiben oft ungehört.

Das Tagebuch der Anne Frank ist ein Zeugnis für Diskriminierung und Gewalt. Annes Vater, Otto Frank, beschloss kurz nach dem Krieg, ihre Texte zu veröffentlichen, um vor Antisemitismus und ethnischer Ausgrenzung zu warnen und ein Fundament für den Dialog zwischen Generationen und Ländern zu schaffen. Er wollte, dass das Tagebuch seiner Tochter allen Opfern des Nationalsozialismus eine Stimme gibt. 

Heute ist der 75. Jahrestag der Veröffentlichung der ersten Ausgabe des Tagebuchs von Anne Frank, und das heutige Doodle öffnet eine Tür zur Vergangenheit, macht aber zugleich auf die Gegenwart aufmerksam. Es gibt auch heute noch Millionen von Kindern auf der ganzen Welt, die vor Krieg, ethnischer Ausgrenzung und Rassismus fliehen müssen. Wir hoffen, dass dieses Doodle an ihr Schicksal erinnert und dazu beiträgt, ihnen eine Stimme zu geben, ganz im Sinne von Otto Franks wohltätiger Vision, die sich in der Gründung des Anne Frank Fonds Basel und seiner heutigen Partner, UNICEF und UNESCO, widerspiegelt.

 

Doodler Q&A mit Thoka Maer

Das heutige Doodle wurde von der Doodle Art Directorin Thoka Maer illustriert. Im Folgenden erzählt sie, was sie über die Entstehung dieses Doodles denkt:

Q. Warum war dieses Thema für Dich persönlich von Bedeutung? 

A. Als Deutsche hat man eine ganz besondere Beziehung zu allem, was in Verbindung zum Holocaust steht. Wenn man als Deutsche aufgewachsen ist, ist der Holocaust ein unausweichlicher Teil der eigenen Identität. In meiner Generation sind die Schuldgefühle und die damit verbundenen Ängste nicht mehr präsent, aber es gibt ein tiefes Verantwortungsgefühl und ein ständiges Bewusstsein für die Vergangenheit sowie ein aktives Bemühen, die Erinnerung aufrechtzuerhalten um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert. Ich fühle mich unglaublich privilegiert und geehrt, mit diesem Doodle dazu beizutragen, die Geschichte weiterzuerzählen.

Q. Was waren Deine ersten Gedanken, als Du mit der Arbeit an diesem Doodle begonnen hast?

A. Mir war sofort klar, wie groß diese Aufgabe sein würde und ich fühlte eine große Verantwortung. Das Doodle sollte internationale Visibilität erlangen und jeder kennt Anne. Zum Glück steht aber hinter jedem Doodle ein gesamtes Team. Die Beratung der jüdischen Gemeinde und des Anne Frank Fonds war zudem entscheidend, um alles richtig zu machen. 

Die Tragödie von Annes Geschichte und all derjenigen, die sie miterlebt haben, ist unbeschreiblich und schwer zu verarbeiten. Für uns alle. Gewalt, Verlust und Schuld sind in jedem Schritt präsent. Ich wusste, dass ich viel Zeit damit verbringen würde, der Tiefe der Tragödie und der Schwere der Umstände gerecht zu werden, aber auch gleichzeitig zu berücksichtigen, dass nicht jede Person, sich sich mit dem Doodle beschäftigt, die Intensität, die es hat, verarbeiten kann oder will.

Q. Gab es für dieses Doodle eine bestimmte Inspiration? 

A. Wir haben im Laufe der Zeit viele verschiedene Konzepte entwickelt, wir haben uns aber letztendlich für ein Doodle entschieden, das so nah wie möglich an Annes Geschichte bleibt. Anne war eine unglaubliche Autorin und hatte die Fähigkeit, persönliche Einblicke zu teilen, die wir Menschen in ihrem Alter oft nicht zutrauen. Wir wollten sicherstellen, dass die Menschen einen Einblick in ihre Geschichte erhalten.

Das Gesamtdesign ist inspiriert von dem mehrschichtigen Collage-Stil ihres Tagebuchs. Neben den originalen Textfragmenten selbst, basieren auch die Szenen und Fotos auf ihren Tagebucheinträgen. 

Q. Welche Botschaft hoffst Du, nehmen die Menschen aus diesem Doodle mit?

A. Wir leben heute in einer Welt, in der Annes Erfahrung nur ein Einblick der aktuellen Erfahrung einiger Menschen oder ihrer persönlichen Vergangenheit ist. Anne ist ein Individuum, das für Millionen von Menschen steht und ihre Tragödien greifbar macht.

Es ist leicht, sich von diesen vergangenen Ereignissen zu distanzieren, da einige Zeit verstrichen ist oder man sich persönlich nicht damit identifizieren kann und an die Täter nur als “die anderen“ denkt. In den letzten Jahren ist uns jedoch bewusster geworden, dass auch diejenigen, die diese Verbrechen begangen oder stillschweigend hingenommen haben, letztlich ganz „gewöhnliche“ Menschen waren. Geschichten wie die von Anne greifbar zu machen und am Leben zu halten, ist enorm wichtig. Vor allem für die jüngere Generation, die zum ersten Mal mit diesem Abschnitt der Geschichte in Berührung kommt. 

 

Mehr über Zu Ehren von Anne Frank finden Sie auf der offiziellen Google Doodle Seite

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